Ribe und Moegeltondern in Dänemark

Am 18.07.18 reiste der Bürgerverein reiste mit 80 Personen nach Dänemark, Ziel war Ribe, die älteste Stadt Dänemarks. Sie war einmal Königssitz und hatte den größten Hafen des Landes. Heute ist Ribe klein, unbedeutend und unglaublich hyggelig (gemütlich).

Ribe ist mit 9000 Einwohnern ein unbedeutendes Nest und gleichzeitig eine echte Touristenattraktion. Viele Geschäfte schließen schon am späten Nachmittag. Der Verlauf der Straßen hat sich seit einem halben Jahrtausend nicht geändert.

Und die Zahl der Sehenswürdigkeiten vom ausgesprochenen schönen Dom bis zum Wikingerzentrum ist angenehm überschaubar. Wir wurden in drei Gruppen geführt und konnten sehr viel an Informationen aufnehmen. Die vielen schmalen Gassen in der Altstadt sind noch etwas krummer als sonst in dänischen Kleinstädten. Wenn sie besonders schmal sind, erkennt man das schon am Namen: Smalleslippe heißt eine zum Beispiel. Das Kopfsteinpflaster wölbt sich noch stärker als anderswo und die Fachwerk- Häuser haben Balken, die noch schiefer sind als gewohnt. Am Fahnenmast in den Gärten weht hier und da der Dannebrog, die dänische Nationalflagge, im Wind.

An etlichen Häusern ranken sich Rosensträucher mit üppigen Blüten, vor den Häusern blühen Hortensien und manchmal Sonnenblumen wie in der Gronnegarde, einer der schönsten Straßen der Stadt.  Ribe ist der Inbegriff dänischer Hyggeligkeit.

Einen Crashkurs in Hyggeligkeit bekommen Besucher am Mellendamm: Wer hier an einem kleinen Wehr dem Rauschen zuhört und auf die Jachten schaut, die am Fluß vertäut liegen, hat den Eindruck die Zeit ist stehengeblieben.

Auch in den Cafes und Restaurants am Overdammen ist die Atmosphäre der Gelassenheit sofort zu spüren. Wir Deutschen müssen umdenken und uns die Zeit nehmen, schnell, schnell, gilt hier nicht.

Die 1300 Jahre alte Stadt ist wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch, in dem man Seite um Seite blättern kann, und dabei durch die Jahrhunderte streift. Einer der eifriger darin gelesen hat ist Richard Kvaerno. Der sympatische Däne lebt seit 55 Jahren in Ribe und ist schon lange im Ruhestand. Eigentlich. Nun zeigt er als Guide Gästen riesige alte Kaufmannshäuser und schöne Innenhöfe, die schmalen Gassen, das alte Rathaus und die Katharinen Kirche.

Vom Touristenbüro, wo die Führungen beginnen ist es nicht weit bis zum 800 Jahre alten Dom. Um das Jahr 1000 endete die Herrschaft der Wikinger. Bis 1400 war Ribe die größte und reichste Stadt Dänemarks, der König hatte hier ein Schloss. Vor allem aber war es ein multikulturelles Hanselszentrum erster Güte. Viele Kaufleute wurden reich im Export-Import-Business. 

1580 verwüstete ein Feuer die Stadt, 1634 gab es eine Flutkatastrophe ein Vierteljahrhundert später wütete die Pest. Die Zahl der Bewohner stürzte von 6000 auf 1600. Um 1660 war Ribe verarmt. Und blieb seitdem klein und überschaubar.

Wir reisten weiter nach Moegeltondern. Der Ort ist ein muß für Dänemarkbesucher. Ein Schloss, viele kleine gepflegte Häuser und eine Kirche mit angrenzendem Friedhof. Am Ortseingang aus Richtung Tondern kommend liegt das „ Schloss-Schackenborg"mit Schlossgarten direkt am Schackenborgvej. Das vom deutsch-dänischen Feldmarschall Hans von Schack angelegte Barockschloss wurde vom letzten Graf von Schack, der ohne Erben blieb, 1978 dem dänischen Königshaus übertragen.

Ab 1993 bewirtschaftete Prinz Joachim von Dänemark , der zweite Sohn der dänischen Königin, die Gutsanlagen mit einen Landwirtschafts- und Forstbetrieb mit 969 Hektar. 2014 wurden Schloss und Gut jedoch in eine Stiftung überführt, da der Prinz seinen Lebensmittelpunkt nach Kopenhagen verlegte. Wir laufen an den Schackenborg Slotskrog, vorbei der zum Schlossgut Schackenborg und somit zum dänischen Königshaus gehörte. Der seit 1687 bestehende Krug gehört zu den Spitzenhäusern der dänischen Gastronomie und ist über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannt. Im „Slotskrug“ pflegen mit Vorliebe auch Gäste aus dem nur wenige Kilometer entfernten Deutschland zu weilen, vor allem Hochzeitspaare, die sich im nahen Tondern,

dem „Heiratsparadies“das Ja-Wort geben. Die Hauptstraße des Ortes wird als die schönste Dorfstraße bezeichnet.Die Slotsgarde wird von außerordentlich gut erhaltenen Backsteinhäusern und Reetdachhäusern gesäumt. Aus dem  17. und 18. Jahrhundert stammen diese Häuser und beherbergen kleine Antiquitätengeschäfte. Seitlich der Slotsgade befindet sich die Kirche von Moegeltondern, die St. Nikolaus Kirche, die nicht nur wegen der Größe überrascht: Der romanisch-gotische Bau geht in seinen ältesten Teilen (der Westen des Chorraums und der Osten des Schiffs) auf die Zeit um 1180 zurück. Der hohe Turm, der lange Zeit ein wichtiges Seezeichen für die nahe Nordsee war ( St. Nikolaus ist auch der Patron der Seefahrer ) wurde erst um 1500 errichtet.

Ältestes Ausstattungsstück ist - nach dem spätromanischen Taufstein - eine kleine Glocke im Turm aus dem Jahre 1330. Auch die Taufe ist noch mittelalterlich. Ein weiterer Schatz in der Kirche ist die älteste Orgel Dänemarks. Sie stammt aus Hamburg und entstand um 1697 und kostete damals den Gegenwert von 70 Kühen (420 Reichstalern).  

Besonders eindrucksvoll sind die farbenprächtigen Deckenmalereien, die neben der Kreuzigung weitere biblische Motive darstellen. Bis 1970 gehörte die gotische Kirche mit ihrem romanischen Kern zum Schloss und damit zur Familie Schack. International bekannt wurde die Kirche, als sich am 24. Mai 2008 Prinz Joachim und Marie Cavallier das Jawort in dieser Kirche in Moegeltonder gaben.

Von unserer Reisegruppe besuchten einige noch den Park mit seinen Skulturen, der sich gegenüber dem Schloss befindet.  Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen begaben wir uns auf unsere Heimreise nach Heide.