Bremen-Findorff und die Künstlerkolonie Worpswede

Ein Tagesausflug bei traumhaftem Sommerwetter führte für 60 Mitglieder und Gäste des Heider Bürgervereines nach Bremen. Im Stadtteil Findorff im Torfhafen bestiegen die Mitreisenden vier Torfkähne aus dem Teufelsmoor. Es begann eine romantisch idyllische Fahrt auf Kanälen und der kleinen Wümme bis zum Landhaus Kuhsiel. Unterwegs berichteten die Skipper von der Entstehung der Kanäle und dem Torfabbau der Gegend. Um 1720 begann die staatliche Moorkolonisation im Teufelsmoor. Im Auftrag des englisch-hannoverschen Königs Georg II legte Jürgen Christian Findorff systematisch Dörfer und Gräben an. Er förderte den Ausbau von Entwässerungskanälen, teilweise auch als Grenzlinie zu den einzelnen Grundstücken und führte sie in schiffbare Kanäle zusammen. Jetzt konnten die Bauern mit ihren gebauten Torfkähnen die Kanäle als Verkehrsnetz nutzen. Die Kähne wurden in verschiedenen Größen gefertigt, sie werden nach Hunt unterschieden. Die gängigsten Größen sind die ½ Hunt-Kähne, etwa 9,5 m lang und 1,8 m breit. Ein Hunt war das Bremer Torfmaß und entsprach 100 Körben, etwa 12 m² Torf. Charakteristisch sind die braun gefärbten etwa 12 m² großen Luggersegel, die am 6 m hohen Mast hängen.

Zugunsten von Straßen wurden in den 60er und 70er Jahren viele Kanäle zugeschüttet. Aus Naturschutzgründen wird vorerst keine Wiederbelebung der alten Strecken wie in den Niederlanden erfolgen. Heute werden die Torfkähne, allerdings ohne Segel, da inzwischen viele Brücken gebaut wurden, lediglich für die Touristen eingesetzt. Es können jeweils 16 Personen befördert werden. So hatte der Bürgerverein die Möglichkeit, die unberührte Landschaft und die angrenzenden Kleingartenparzellen zu genießen. Auf der Fahrt sahen die Gäste üppig blühende gelbe Teichrosen und vereinzelt auch weiße Seerosen. Ein Eisvogel, ein Graureiher und viele Enten mit ihren Küken begeisterten die Besucher ebenfalls.

Als die Fahrt nach 1 ½ Stunden endete, waren sich alle einig, es war auch dem Wetter gedankt ein einmaliges Erlebnis.

Im Anschluss genossen die Ausflügler ein Mittagsbuffet, sie konnten nach Herzenslust Krustenbraten mit Rotkohl, Klößen und Braunbiersauce, Putenbraten mit Currysauce und Reis oder Lachs auf mediterranem Gemüse genießen. Natürlich durfte ein großes Salatbuffet mit ofenfrischem Baguette nicht fehlen.

 

Den Nachmittag verbrachen die Reisenden im Künstlerdorf Worpswede ganz nach eigenem Belieben mit Spaziergängen, Shoppen, Besuch der Künstlerstätten oder einem leckeren Eis bzw. Torte und Getränken. Die Künstlerkolonie gründete sich im Jahre 1889 und wurde dadurch zur Heimat bedeutender Künstler des Jugendstils, Impressionismus und Expressionismus. Die Künstler sehnten sich nach bäuerlicher Idylle und nach einem einfachen, naturnahen Leben und fanden außergewöhnliche Lichtverhältnisse bei den ländlichen Motiven und den markanten Landschaften. Als die Gründer der Kolonie agierten Fritz Mackensen, Hans am Ende und Otto Modersohn. 1893 folgten die Künstler Fritz Overbeck und 1894 Heinrich Vogeler. Paula Becker, die 1901 Otto Modersohn heirate kam 1898 zur Gruppe, um Malunterricht bei Fritz Mackensen zu nehmen.

Zwischen 2007 und 2012 schlossen sich die vier zentralen Museen zum „Worpsweder Museumsverbund“ zusammen und  ziehen  heute viele Besucher an.

 

Text: Anita Lorenz